Die Mehrwertsteuer

Ab 1. Januar steigt für viele Güter die Mehrwertsteuer. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Lieferung.

Ab Januar steigt, vom Autokauf bis zur Wartung der Zentralheizung, die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent. Manchen bringt das in Kaufstress.
Beim Kauf eines Hauses im Wert von 200 000 Euro können sich Kunden, die schnell handeln, immerhin noch 6 000 Euro Steuerersparnis sichern. Für einen Mittelklassewagen sind 500 Euro und für teure Möbel oder Computer rund 50 Euro drin.
Noch in diesem Jahr zu kaufen genügt aber nicht. Entscheidend ist der Zeitpunkt der Lieferung. Es kommt nicht auf das Datum des Vertrags, der Rechnung oder der Zahlung an.

Größere Anschaffungen
Die Mehrwertsteuer heißt auf der Rechnung übrigens Umsatzsteuer. 19 Prozent zahlen muss, wer jetzt ein Auto oder eine Küche kauft, die Lieferung aber auf das Jahr 2007 legt. Hier verwenden viele Händler Preisanpassungsklauseln wie „Es gilt die gesetzliche Umsatzsteuer bei Lieferung“.
Wenn im Vertrag steht, dass 16 Prozent fällig sind, egal wann geliefert wird, ist der Kunde davor geschützt. Ein Vertrag, der den Bruttopreis nennt: 116 Euro statt „100 Euro zzgl. Umsatzsteuer“ ist günstig.
Auch ohne Vereinbarung trägt der Verkäufer die erhöhte Mehrwertsteuer, wenn die Lieferung für 2006 geplant war, sich aber ohne Schuld des Kunden verzögert.

Ebay, Otto und Amazon
Im Versandhandel gilt die Ware als geliefert, wenn der Verkäufer sie bei der Post abgegeben hat, ob Bestellung aus dem Otto-Katalog oder im Internet bei Amazon. Wenn das spätestens am 31. Dezember 2006 war, sind nur 16 Prozent Steuer fällig.

Umtausch
Enttäuschte müssen diesmal unbedingt noch vor Silvester umtauschen, denn liegt die falsche Digitalkamera unter dem Weihnachtsbaum, wird beim Umtausch der Kauf rückgängig gemacht und ein neuer Kaufvertrag geschlossen. Dafür sind ab 2007 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Autokauf mit Kredit
Bei den beliebten Ballonfinanzierungen fürs Auto, der Anschaffung auf Raten mit einer großen Abschlusszahlung Achtung, wenn der Kauf nicht vor 2007 fest vereinbart ist. Der Kunde kann danach noch frei entscheiden, ob er kauft oder das Auto zurückgibt, ist der Vertrag so zu behandeln, als wäre er erst im Jahre 2007 geschlossen. Die Folge ist, dass für den Vertrag einschließlich der im Jahr 2006 gezahlten Raten die höhere Mehrwertsteuer berechnet wird.

Hausbau und Modernisierung
Manchmal können sich Bauherren, Haus- und Wohnungseigentümer, die bis in das Jahr 2007 hinein bauen oder modernisieren, noch die günstige Mehrwertsteuer von 16 Prozent sichern. Für wirtschaftlich abgrenzbare Werkleistungen und Materiallieferungen ist das möglich.
Selbst wenn der Innenausbau noch Baustelle ist, steht auf der Rechnung des Dachdeckers noch 16 Prozent, wenn er bis Ende des Jahres fertig ist.
Wenn der Fliesenleger aber im Bad bis zum Feuerwerk nur die halbe Wand gefliest hat und die andere Hälfte erst danach macht, wird der Handwerker für die gesamte Arbeitsleistung und alle Fliesen 19 Prozent Mehrsteuer berechnen. Denn der Zeitpunkt der Fertigstellung ist entscheidend.
Für Bauherren, die Immobilien zu Festpreisen kaufen kann es schwierig werden. Denn wenn der Käufer vor der Steuererhöhung sicher sein will, muss in diesem Fall der Bruttopreis, also inklusive Umsatzsteuer, im Vertrag vereinbart sein.

Festnetz und Handy
Dieses Jahr können auch Telefonkunden mit Festnetz- und Mobilfunkverträgen noch reagieren. Wenn sie Verträge für unbestimmte Zeit oder mit Mindestlaufzeiten von in der Regel 6 oder 24 Monaten haben, können sie vom Anbieter schriftlich eine Zwischenabrechnung zum 31. Dezember 2006 verlangen. Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums sieht dies sogar vor.
Vor Silvester sind die Kosten dann nur 16 Prozent Mehrwertsteuer fällig.

Strom, Gas und Wärme
Viele Kunden sind bei Strom-, Gas- und Wärmelieferungen schlecht dran. Meist werden die Verträge nach einem festgelegten Ablesezeitraum abgerechnet, zum Beispiel vierteljährlich oder jährlich. Wenn der Ablesezeitraum bis in s nächste Jahr reicht, können die Anbieter auf den gesamten Verbrauch 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnen.
Kunden sollten noch in diesem Jahr mit ihren Lieferanten oder Vermietern vereinbaren, den Zählerstand zum Jahresende abzurechnen, wenn der Vertrag zum 31. Dezember keine Zwischenabrechnung zulässt.
Manche Verträge sehen aber auch vor, dass die Rechnung auf die Jahre 2006 und 2007 aufgeteilt wird, in diesem Fall sind die Kunden gut bedient.


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