Rechtsschutz

Teil 2

Einiges ist besser geworden
Zwar ist Rechtsschutz jetzt teurer, aber er ist in einigen Punkten auch besser als früher.
Meditation. Rund die Hälfte der Versicherer unterstützt inzwischen ihre Kunden, wenn sie statt eines Gerichtsverfahrens die Mediation wählen. Streitende bekommen hier kein Urteil, sondern werden angeleitet, eine Lösung zu finden.
Der Rechtsfriede hält meist länger, als wenn eine Partei ein Urteil schlucken muss, wenn das Klappt. Wenn die Streitenden weiter miteinander auskommen müssen wie zum Beispiel Nachbarn, ist Mediation stets sinnvoll. Beim Versicherer nachfragen sollte, wer die Möglichkeit einer Mediation wichtig findet. Meist gibt es den Betrag, den es für einen Prozess in erster Instanz gegeben hätte, jedoch bestehen manche Versicherer auch darauf, dass der Mediator zugleich auch Anwalt ist.
Die Versicherer bezahlen leider noch nicht in jenen Fällen die Mediation, in denen sie am sinnvollsten wäre: im Familien- oder Erbstreit. Sie bieten hier fast nur Beratungsrechtsschutz an. Jedoch zählt die Tätigkeit eines Mediators nicht als Beratung.
Internet. Wenn es nach einem Internetgeschäft zum Streit kommt, zahlen immer mehr Versicherer. Unterstützung bis zur Versicherungssumme für Auslandsstreitigkeiten gibt es selbst wenn ein Gericht außerhalb Europas darüber verhandelt. Je nach Anbieter sind das zwischen 25 000 und 155 000 Euro.
Ausland. Für Streit im Ausland ist der Rechtsschutz weiter gefasst als früher. Ob Kunden beruflich oder privat auf Reisen sind, macht für viele Versicherer keinen Unterschied mehr. Wenn aber der Aufenthalt länger als sechs Wochen dauert, sollen fast alle nicht zahlen. Nur einige Anbieter machen keine Einschränkungen.
Ombudsmann. Der Ombudsmann der Versicherungswirtschaft hat sich als effizient für Kunden erwiesen, die mit ihrem Rechtsschutzversicherer streiten. Er entscheidet immer wieder kundenfreundlich, wenn es darum geht, was ein Versicherer zahlen muss und was nicht, auch wenn er von den Versicherern bezahlt wird. Von fast allen Unternehmen wird sein Schlichtungsspruch nun akzeptiert. Was der Ombudsmann in Streitigkeiten bis zum Umfang von 5 000 Euro entscheidet, ist für sie verbindlich.
Kunden können dann aber immer noch gegen den Versicherer klagen.

Wann der Rechtsschutz greift
Dass sich Kunden und Versicherer streiten kommt tatsächlich häufiger vor. Es geht meist darum, wie viel der Anwalt berechnen darf. Da der Anwalt das oft mit dem Versicherer regelt, ist dieser Fall für die Versicherten nicht so schlimm.
Wenn der Versicherer nicht zahlt, weil er meint, es liege kein Versicherungsfall vor, wird es aber unangenehm. Da das Kleingedruckt kompliziert ist, können Versicherte das oft nicht verstehen.
Wenn ein „Ereignis“ vorliegt, muss zum Beispiel ein Versicherer im Erb- oder Familienrecht nur Beratungsrechtsschutz gewähren. Doch was gilt als Ereignis?
Zum Beispiel ist ein Todesfall, der Erbschaftsfragen aufwirft, ein Ereignis. Wenn jemand dagegen mit anwaltlicher Hilfe seinen Nachlass regeln will, liegt kein Ereignis vor und der Versicherer muss auch nicht zahlen.
Beim Familienrecht ist es ähnlich. Die Anwaltsberatung selbst bezahlen muss, wer überlegt, sich vom Partner zu trennen. Wenn der Gatte oder die Gattin gerade auszieht, ist es anders.
Auch im Arbeitsrecht kann es schwierig werden. Wenn der Chef eine Abfindung anbietet, zahlt der Versicherer die Anwaltsberatung? Oder muss die Kündigung erst auf dem Tisch liegen? Obwohl das Bedürfnis nach fachkundigem Rat bereits beim Abfindungsangebot auf der Hand liegt, blockten hier Versicherer lange Zeit ab.
Inzwischen hat der Ombudsmann klar gemacht, dass die Versicherer zahlen sollten. Bis auf Ausnahmen bieten nun die meisten Versicherer Rechtsschutz. Wenn der Chef klar sagt, er werde dem Mitarbeiter kündigen, falls er die Abfindung nicht akzeptiert, zahlen sie für die Beratung. Sonst ist es kein Versicherungsfall.
Nicht für alle Fälle können sich die Kunden versichern. Kein Versicherer bietet Rechtsschutz rund um den Hausbau an, denn Lücken gibt es auch im vorgerichtlichen Streit. Wenn Kunden sich mit einer Behörde vor Gericht streiten, gewähren viele Versicherer Verwaltungsrechtsschutz. Jedoch übernehmen sie die Kosten im vorgeschalteten Verwaltungsverfahren nicht.
Nur in Verkehrsangelegenheiten wie bei einem Führerscheinentzug, wenn Kunden Verkehrsrechtsschutz haben, gibt es Ausnahmen.
Wenn sich Kunden beim Streit mit Steuer- oder Sozialbehörden vom Anwalt helfen lassen wollen, stehen sie ebenfalls fast immer ohne Schutz da.

Wenige helfen bei Parkverstößen
Im Verkehrsrechtsschutz lauert eine weitere Enttäuschung: Wenn sich Versicherte gegen Knöllchen wehren, hilft kaum ein Versicherer. Nur wenige Versicherer decken Parkverstöße.
Auch vor Schadenersatzforderungen bewahren Rechtsschutzversicherer ihre Kunden nicht. Sie helfen ihnen nur, eigene Forderungen durchzusetzen.
Da sich nach einem Autounfall die Kfz-Haftpflichtversicherung, die jeder Halter haben muss, kümmert, ist das kein Problem. Wenn aber der Nachbar Geld will, weil er meint, man habe seinen Zaun beschädigt, stehen Versicherte alleine da, wenn sie keine Privathaftpflichtversicherung haben, die sich um die Abwehr des Anspruchs kümmert.


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